Was beeinflusst den Bitcoin-Kurs?

Wenn Medien über Bitcoin berichten ist Kritik an der hohen Volatilität des digitalen Goldes nicht weit. Im Vergleich zu klassischen Fiat-Währungen ist die Kursentwicklung von Bitcoin ohne jeden Zweifel deutlich Schwankungsanfälliger. Doch welche Faktoren bestimmen den Preis?



Natürlich spielen viele Faktoren bei der Preisbildung eines Gutes eine Rolle. Letztlich bestimmt - wie immer in einem freien Markt - Angebot und Nachfrage den Preis. Genau auf diese Art und Weise funktionieren auch Börsen auf welchen Aktienkurse - je nach Angebot und Nachfrage - fallen oder steigen.


Im untern Bild sieht man ein Orderbuch. Hier sind noch offene Order (Käufe und Verkäufe) aufgelistet. Jede Zeile repräsentiert eine Order. In der linken (roten) Übersicht sind die Verkaufsorder aufgelistet und auf der rechten (grünen) die Kauforder. Die meisten Privatpersonen kaufen/verkaufen Bitcoin oder klassische Wertpapiere "bestmöglich". Sprich die Order wird schnellstmöglich zum aktuellen Marktpreis ausgeführt. Doch wenn man einen Bitcoin kaufen möchte, muss es dafür auch einen Verkäufer geben.


Beispiel: Ich möchte einen Bitcoin kaufen zum aktuell Marktpreis

Die Plattform auf welcher ich den Kaufauftrag erfasse schaut nun wer mir möglichst günstig einen Bitcoin verkauft. Meist deckt sich Höhe der Kauforder nicht mit der günstigsten Verkaufsorder. Daher schaut die Plattform tiefer in die Orderbücher.

Auf der Verkaufsseite gibt es eine (die unterste) Verkaufsorder zu 46.729,50 € über 0,0219 Bitcoin. Diese 0,0219 Bitcoin erwerbe ich somit zum angegebenen Preis. Der Verkäufer freut sich. Er/Sie hat zuvor eine Verkaufslimit von 46.729,50 € angegeben. Dieses Verkaufslimit bleibt bis auf Widerruf bestehen und wartet auf einen Käufer - mich. Da ich einen ganzen Bitcoin kaufen möchte, sucht die Plattform weiter nach dem nächst günstigsten Verkaufsangebot. Folgende Verkaufsorder im Orderbuch "kaufe ich auf":

0,0219        46.729,50
0,1230        46.734,90
0,2073        46.739,40

Nach diesen drei Käufen sind 0,3522 Bitcoin in meinem Besitz. Die restlichen 0,6478 werden in der nächstgünstigsten Verkaufsorder (0,6507 zu 46.742,10 €) anteilig aufgekauft. Somit wird zusätzlich folgende Order aufgeführt:

0,6478        46.742,10

Am Ende kostet mich ein Bitcoin 46.740,38 € (Gesamtkosten/erworbene Bitcoin).


Diese Vorgehensweise veranschaulicht auch wie Preise bei höherer Nachfrage steigen. Je mehr Menschen kaufen möchten, desto tiefer wird das Orderbuch "leer gekauft". Gänzlich leer wird das Orderbuch (bei Aktien oder auch Bitcoin) nie sein - irgendjemand benötigt immer Geld. Entsprechend kommen laufend neue Verkaufsorder hinzu, zu entsprechend höheren Preisen.


Beim Limit-Kauf funktioniert das beschriebene Prozedere genau umgekehrt. Wer ohne Limit verkauft, verkauft sozusagen an den höchst möglichen Bieter im Orderbuch. Das Orderbuch stellt also eine Art Matching zwischen Käufer und Verkäufer da.


Wer aktiv traden will, sollte immer mit Limiten arbeiten. Zwar erhält man keine Garantie den gewünschten Betrag zu erhalten/zu bezahlen, doch meist kann man sich dadurch auf Exchanges Gebühren sparen. Diese orientieren sich in der Kryptowelt oft am Maker/Taker-Prinzip - ob man dem Markt Liquidität zur Verfügung stellt oder entzieht.


Kurstreiber

Auch wenn am Ende Angebot und Nachfrage über den Preis bestimmen, so gibt es dennoch einige Kursbeeinflussende Faktoren.


- politische Lage und aktuelle Entscheidungen

- fundamental Daten

- allgemeine Stimmung am (Finanz-)Markt

- Geldpolitik

- positive/negative Nachrichtenlage

- technische Analyse

- "Influencer"


Eine große Rolle am Kapitalmarkt spielt die grundsätzliche politische Lage. Gibt es in vielen - wirtschaftlich bedeutenden - Staaten aktuelle Unruhen, wackelt die Regierung oder ist ein Land derzeit mit anderen Themen beschäftigt. Daraus ergibt sich auch oft die aktuelle regulatorische Lage. Plant eine Regierung Steuererhöhungen im Finanzbereich (z.B. Spekulationssteuer)? Werden sonstige Hemmnisse als Markteintrittsbarriere eingeführt oder abgeschafft? Prinzipiell ist jede politische Unruhe oder Unterdrückung von Menschen "positiv" für den Kurs des Bitcoin. Genau hier spielt Bitcoin seine Vorteile gegenüber den Währungen der Machthaber (=Unterdrücker) aus.


Hier kommt man bei Kryptowährungen auch schnell in den Bereich der Fundamentaldaten. Während man bei börsennotierten Unternehmen auf das Kurs-Gewinn-Verhältnis schaut oder den Jahresgewinn betrachtet und daraus die Zukunft zu prognostizieren versucht, sucht man auf der Blockchain solche Daten vergeblich. Dennoch bietet die Blockchain-Technologie völlig neue - teilweise auch detailliertere - Ansatzpunkte. Wie viele Wallets gibt es? Wie häufig werden Coins versendet? Wie hoch ist der Anteil der Coins die längere Zeit nicht bewegt wurden? Werden Coins von Exchanges abgezogen und stehen dem Markt somit erstmal nicht zum Verkauf zur Verfügung?


Aus diese Daten lässt sich viel herauslesen. Der größte Vorteil ist jedoch - die Blockchain lügt nie. Unternehmensbilanzen können gefälscht oder mittels "window dressing" aufgehübscht werden.


Finanzmärkte

Auch wenn Bitcoin grundsätzlich volatil ist, gab es in der Vergangenheit immer wieder längere Phasen in denen der Bitcoin-Kurs eine hohe Korrelation zur klassischen Börse aufwies. Getrieben sind solche Phasen von (verhältnismäßig) wenigen positiven Nachrichten im Kryptospace. Ende 2020 legte die Bitcoin-Bullenrally eine Verschnaufspause ein und glich im Kursverlauf Dow Jones, DAX und Co. In den meisten Fällen wurde eine solche Konsolidierungsphase in der Vergangenheit mit einem extremen Kursausbruch beendet. Auch in 2020 reichte eine positive Nachricht um auszubrechen und sich vom Finanzmarkt zu entkoppeln. In diesem Fall war es die Bekanntgabe des paypal-Einstiegs in die Kryptowelt.


Gänzlich entkoppeln lassen sich die Kurse der Kryptowelt natürlich nicht von der Realwelt. Im Bezug auf die Gelpolitik der EZB und FED, rückt immer wieder die Wertspeicherfunktion des digitalen Goldes in den Fokus. Verabschiedet die EZB oder FED - mal wieder - ein milliardenschweres Hilfspaket, wirkt sich dies grundsätzlich positiv auf "Safe Heaven" wie Gold, Immobilien oder Bitcoin aus. Je höher die Inflation - der Verlust der Kaufkraft - desto schneller steigt der Bitcoin-Kurs.


Kurzfristige Treiber

Die technische Analyse spielt im Bitcoinspace ebenfalls eine große Rolle. Da die meisten Halter von Kryptowährungen unter 35 sind, ist deren Affinität zu digitalen Medien natürlich entsprechend hoch. Eine ganze Schar von Youtubern streamt täglich und versucht sich an einer technischen Analyse des Kursverlaufes. Hierbei versuchen die "Experten" - mit einem sich selbst angelesenen Wissen - Widerstände/Unterstützungen oder auch „Schulter-Kopf-Schulter-Formationen“im Kursverlauf zu erkennen. Meist wird hierbei auch mit einem Hebel (Leverage) gearbeitet. Dies erhöht die Chancen im bereits ohnehin volatilen Kryptoumfeld, aber natürlich im gleichen Maße die Risiken. Grundsätzlich sollte man hiervon Abstand nehmen. Nur wer sich ganztägig mit Daytrading beschäftigt sollte sich an solche hochspekulativen Anlageinstrumente wagen.


Für kurzfristige Kursauabrüche sorgte in der jüngeren Vergangenheit auch Elon Musk. Der Unternehmer (Tesla, SpaceX) ist bekannt für marktbeeinflussende Twitter-Meldungen. Nachdem er über einen längeren Zeit den Spaßcoin Dogecoin immer wieder erwähnt hatte, stiegt er Ende 2020 in den Bitcoin-Hype-Train ein. Mittlerweile hat er mit Tesla 1,5 Milliarden des Firmenvermögens als Inflationshedge in Bitcoin umgeschichtet. Zusätzlich spricht er immer wieder medienwirksman positiv über das digitale Gold. Mitte April (als Bitcoin erstmals über 60.000 US-Dollar stieg) hatte Tesla durch das Bitcoin-Investment - innerhalb weniger Monate - mehr Erträge generiert als durch den Verkauf von Autos - seit Firmengründung!

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