Unser Geldsystem

Was versteht man unter dem Begriff der Geldmenge? Welche Auswirkung hat einer Erhöhung der Geldmenge? Wie beeinflussen die Geschäftsbanken die Menge des Geldes?

In Kürze: Die Geldmenge gibt an wieviel Euros es gibt. Je nach Kategorie der Geldmenge (M0, M1, M2 oder M3) werden neben Bargeld noch weitere Vermögenswerte der Geldmenge hinzugezählt. Auch Banken tragen durch die Giralgeldschöpfung zur maßgeblichen Erhöhung der Geldmenge bei. In den letzten Jahrzehnten ist die Geldmenge immer weiter angestiegen. Vor allem seit der Jahrtausendwende steigt der Bestand des (scheinbar) vorhandenen Geldes stark an - was sich wiederum auf die Inflation auswirken kann.


Die unterschiedlichen Geldmengen

M0 - Die kleinste aller Geldmengen beinhaltet lediglich das sich im Umlauf befindliche Bargeld einer Währung. Scheine und Münzen welche bei Banken oder innerhalb der Notenbank verwahrt werden zählen hier nicht hinzu.


M1 - Bei der Geldmenge M1 wird neben M0 auch die Sichteinlagen der Nichtbanken (z.B. Guthaben auf Girokonten von Privatkunden) hinzugezählt - sofern diese täglich fällig sind. Sprich nur wenn der Kunde auf das Guthaben des Kontos “sofort” zugreifen kann, wird es hier mit eingerechnet. Neben Girokonten zählen hier beispielsweise auch Salden auf Tagesgeldkonten hinzu, nicht aber Guthaben auf Sparbüchern.


M2 - Zur Geldmenge M1 (welche M0 inkludiert) gesellen sich nun Einlagen mit einer Kündigungsfrist von maximal drei Monaten. Hierzu zählt das gute alte Sparbuch, aber auch die heute für Privatkunden untypischen Festgeldanlagen - sofern diese eine Kündigungsfrist von maximal drei Monaten aufweisen. Ebenfalls gezählt werden hier die Einlagen mit maximal zwei Jahren Laufzeit. Dies beinhaltet Festgeldanlagen (z.B. ein Sparbrief) oder auch Anleihen mit kurzer Laufzeit.


M3 - Komplettiert wird die Geldmenge durch die bereits genannten Geldmengen zuzüglich der Anteile an Geldmarktfonds, Geldmarktpapieren, Bankschuldverschreibungen mit einer Laufzeit von zwei Jahren und sogenannte Repogeschäften (Rückkaufvereinbarungen). Hierbei verkauft die Bank Wertpapiere gegen Liquidität (= Geld) mit einer gleichzeitigen Vereinbarung die Wertpapiere zu einem zukünftigen Zeitpunkt - zu einem vorab festgelegten Preis - zurückzukaufen.


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Europäische Zentralbank (EZB)

Bevor wir uns mit der historischen Entwicklung der Geldmenge beschäftigen, betrachten wir die entscheidenden Faktoren welche Auswirkungen auf die Höhe der Geldmenge haben. Vermutlich wissen 99% der Menschen nicht wo unser “Fiat-Geld” eigentlich her kommt. Unter Fiat-Währungen versteht man Währungen ohne inneren Wert. Im Gegensatz zu Warengeld welches einen inneren Wert besitzt (z.B. Gold), basiert der Wert des Fiatgeldes allein auf das Vertrauen eines zukünftigen Werterhaltes. Das Wort Fiat stammt aus dem lateinischen und bedeutet sinngemäß „ein Objekt ohne inneren Wert“. Unser Euro wird von der Europäischen Zentralbank emittiert. Würden die Menschen das Vertrauen in die EZB komplett verlieren, wären die Euroscheine nur noch das Papier Wert auf welchem sie gedruckt sind.


Dem Großteil der Bürger im Euroraum ist nicht bewusst wo der Ursprung unserer Geldscheine liegt. Seit Einführung des Euros am 01.01.1999 ist die Europäische Zentralbank für die Ausgabe bzw. den Druck von Euroscheinen zuständig. Die EZB wiederum ist ein Organ der Europäischen Union und ist beauftragt für stabile Preise zu sorgen. Hierbei spricht man auch von der Preisniveaustabilität. Fraglich ist allerdings ob ein EU-Organ welches sich um Preisstabilität kümmert überhaupt eine Daseinsberechtigung besitzt. Die europäischen Banker - mit Hauptsitz in Frankfurt - haben massiven Einfluss auf die nationalen Wirtschaften der angeschlossenen Staaten. Damit werden wir uns nun genauer auseinandersetzen.


Die Herkunft unseres Geldes

Die Zentralbanker kümmern sich also um das Drucken von Banknoten und beschließen zudem welche nationale Notenbank - diese gibt es weiterhin - Euromünzen prägen darf. Diese Aufteilung erklärt auch weshalb auf den Euroscheinen nicht der Bundesadler abgebildet ist (die aufgedruckten Brücken symbolisieren den Zusammenschluss Europas), auf den Münzen aber länderspezifisch beispielsweise das Brandenburger Tor.


Um den Finanzmarkt in eine von ihr gewünschte Richtung zu lenken, hat die Europäische Zentralbank einige mächtige Instrumente. Da der Finanzmarkt einen elementaren Teil in unserem Wirtschaftssystem einnimmt, ist dieser Einfluss auf uns alle nicht unerheblich. Die EZB bestimmt die Geldmenge aber auch beispielsweise den Leitzins. Sinkt der Leitzins - Stichwort Nullzins - sinken auch die Zinsen für uns Sparer sowie natürlich auch für alle Kreditnehmer. Seit einiger Zeit ist der Zins welchen Banken für ihr bei der EZB geparktes Geld bekommen sogar im negativ. Doch wie kam es zum Minuszins?


Die Finanzkrise in 2008 hatte neben ihren spektakulären Bankenpleiten wie z.B. die von Lehman Brothers, Zinssenkungen zur Folge. Prinzipiell ist dies auch eine nachvollziehbare Entscheidung, denn mit sinkenden Zinsen können sich mehr Privatpersonen aufgrund der niedrigen Kapitalkosten verschulden bzw. Kredite aufnehmen. Diese Situation spiegelt sich auch analog im Bereich der Unternehmen wieder. Infolgedessen steigen die Investitionen und dies