Satoshi Nakamoto und die Entstehung des Bitcoin-Netzwerks


Die Geschichte des Bitcoin-Netzwerks

Die eigentliche Geschichte des Bitcoins begann bereits Anfang der 90er Jahren. Im Jahr 1993 veröffentlichte der Mathematiker Eric Hughes ein Manifest. Hierin findet sich die Aussage: „Der Datenschutz ist für eine offene Gesellschaft im elektronischen Zeitalter notwendig“. In den folgenden Jahren begannen sich immer mehr Cypherpunks zu vernetzen. Die freiheitssüchtigen Anhänger der Kryptografie starteten mehrere Anläufe um ein digitales und dezentrales Bezahlsystem zu entwickeln. Beim DigiCash wurde bereits das Public-Key-Prinzip verwendet, allerdings stand mit David Chaum eine Person und somit eine zentrale Instanz hinter diesem System. Anschließend, 1997, entwarf Adam Back die auf einen Hashing-Algorithmus basierende Währung Hashcash. Diese nutzte bereits eine Form des heutigen Proof-of-Work als Leistungsnachweis. Nur ein Jahr später entwickelten die beiden Kryptographen Nick Szabo und Wei Dai jeweils eine eigene digitale Münze, BitGold und B-Geld. Doch auch diese digitalen Währungen hatten Schönheitsfehler. Adam Back und Wei Dai wurden 2008 vom Pseudonym Satoshi Nakamoto kontaktiert, welcher im selben Jahr das Whitepaper “Bitcoin: A Peer-to-Peer Electronic Cash System” veröffentlichte. Dieses versendete „er“ per Mail an zahlreiche Cypherpunks. In Whitepaper präsentierte Satoshi die erste vollständig ausformulierte Methode für ein rein dezentrales Peer-to-Peer (dt. , Person zu Person) Transaktionssystem für digitales Bargeld. Es war der 3. Januar 2009 an dem der erste Block der Bitcoin-Blockchain gemint wurde. Durch diesen Prozess kamen die ersten 50 Bitcoins in den Umlauf. Die einzige enthaltene Transaktion dieses “Genesis Blocks” enthielt folgende Nachricht:

„The Times 03/Jan/2009 Chancellor on brink of second bailout for banks.“

deutsch: Kanzler am Rande der zweiten Rettungsaktion für Banken


Hier zitierte Satoshi Nakamoto eine Schlagzeile der Tageszeitung The Times vom 03.01.2009. Mit Bitcoin möchte “er” eine zukünftige Finanzkrise verhindern. Da Satoshi aber bereits seit 2008 an der Entwicklung des Bitcoin-Netzwerks arbeitete ist Bitcoin, trotz der Annahme einiger Medien, nicht in Folge der Finanzkrise 2009 entstanden. Doch aufgrund der Hypothekenkrise in den USA, welche auch Lehman Brothers zu Fall brachte, war die Finanzwelt zu dieser Zeit ohnehin omnipräsent. Weltweit wurde die Macht der Banker bereits hinterfragt und das Vertrauen in deren Bankhäuser immer weiter zerstört. Somit erwischte Satoshi Nakamoto den scheinbar perfekten Zeitpunkt für die Veröffentlichung seines Whitepapers.


Wer ist/war Satoshi Nakamoto

Bis heute ranken sich zahlreiche Mythen um Satoshi. Keiner weiß ob es sich um einen Mann, eine Frau oder gar um eine Gruppe von Menschen handelt/e. Bei der Vielzahl an Spekulationen fallen häufig die Namen Hal Finney und Nick Szabo. Finney war ein Programmierer und Bitcoiner der ersten Stunde. Er erhielt die aller erste Bitcoin-Transaktion von Satoshi (oder sich selbst?) und arbeitete zu Beginn intensiv am Bitcoin-Netzwerk. Nick Szabo gilt als der Vater des Proof-of-Work und wird daher immer wieder mit Satoshi in Verbindung gebracht. Selbst abstruse Theorien wie Regierungen oder ein asiatischer Firmenverbund aus SAmsung, TOSHIba, NAKAmichi und MOTOrola sollen angeblich hinter dem Bitcoin-Erfinder stehen.


Am 23.04.2011 meldet sich Satoshi ein letztes Mal. Anschließend hörte man nichts mehr von ihm. Bis heute bleibt seine Existenz somit ein Rätsel. Sicherlich wurde diese Entscheidung bewusst getroffen, denn nur so kann das System wirklich dezentral sein, ohne dass die Meinung einer Person ein größeres Gewicht hat. Doch noch vor seinem Verschwinden machte sich eine weitere Person im Krypto-Space am 22.05.2010 unsterblich, Laszlo Hanyecz. Der US-Amerikaner bot online 10.000 Bitcoin für das Zustellen einer Pizza. Bis dato gab es keine Bezahlung in Form von Ware gegen Bitcoin. Er wartete mehrere Tage bis sich ein Lieferant fand. Bis heute feiern Bitcoin-Jünger den Pizza-Day, dem Tag an dem Laszlo die vermutlich (aus heutiger Sicht) teuerste Pizza aller Zeiten bestellte. Im selben Jahr öffnete auch die erste Tauschbörse/Exchange ihre Pforten. Mt. Gox, eine Tauschplattform für Fantasy-Sammelkarten, wurde zur ersten Bitcoin-Börse. Damals lag der Bitcoin-Kurs noch bei etwa 6 Cent (je Bitcoin!). Mit der Zeit öffneten weitere Dienste ihre Türen. Doch 2014 dann der Schock, Mt. Gox wurde gehackt. In Summe wurden 750.000 Bitcoins mit einem damaligen Wert in Höhe von 350 Millionen US-Dollar entwendet. Ein tiefer Schlag für die Krypto-Szene. Der daraufhin drastisch gesunkene Bitcoin-Kurs benötigte Jahre um die Verluste wieder zu egalisieren.


Doch Bitcoin überlebte und stand 2017 am Scheideweg. Das Peer-to-Peer Netzwerk war nicht ausgelegt auf eine weltweite Nutzung. Dem Netzwerk fehlte es an Skalierbarkeit. Ein Teil der Community forderte daher die Blockgröße zu erhöhen, in Folge könnten zwar mehr Transaktionen je Block integriert werden, allerdings würde dadurch auch der Speicherbedarf für Nodes rapide ansteigen. Die Gefahr durch die geringere Anzahl an Nodes an Dezentralität zu verlieren erschien den meisten Bitcoinern zu groß. Zudem war ein Großteil der Community bereits damals gegen eine Änderung des (heiligen) Programmcodes. So kam es, dass es im Rahmen eines Hard Forks zu einer Trennung der Bitcoin-Blockchain kam. Weiter Hard bzw. Soft Forks folgten. Seit einem Soft Fork 2017 unterstützt Bitcoin das Update SegWit, mit welchem die Transaktionen effizienter auf der Blockchain gespeichert werden konnten. Dies war das bedeutendsten “Update” der jüngeren Vergangenheit. Eine Änderung am Bitcoin-Code, wie es beim Hard Fork von Bitcoin Cash gefordert wurde, gilt bis heute als Negativbeispiel Änderungen am Bitcoin-Protokoll.


Gegen Ende 2017 folgte dann die erste große Bärenrally. Wie aus dem Nichts tauchte Bitcoin plötzlich in den Medien auf und der Hype katapultierte den Kurs in damals ungeahnte Höhen. Im Dezember stieg der Kurs gar auf über 16.000,- € (knapp 20.000,- USD) an. Doch ähnlich schnell fiel der Kurs nur kurze Zeit später und brachte dank Fomo ("die Angst etwas zu verpassen") viele Kleinanleger um große Teile Ihres Vermögens. Vor allem der Hype um ICOs (Initial Coin Offerings), eine Art Börsengang für neue Coins, sorgte für eine große Kryptoblase.


Bitcoin heute