Mehr als nur Geld - wie Bitcoin die Welt verändert

Kryptowährungen bzw. Bitcoin scheinen den Sprung vom belächelten Außenseiter hin zum ernstgenommenen Anlageinstrument zu meistern. Doch Bitcoin ist viel mehr als nur "Geld". Ein Überblick.

Die Bitcoin-Maximalisten - Anhänger von Kryptowährungen welche nur Bitcoin als "einzig Wahres Geld" ansehen - sind sich längst einig. Das digitale Gold ersetzt nicht nur dessen physisches Pendant, sondern wird auch Geld im allgemeinen - alle Fiat-Geldsysteme - aufsaugen. Auf diesem Weg muss Bitcoin aber noch viele Hürden nehmen. Wir betrachten uns aus diesem Grund welche Reise Bitcoin in den nächsten Jahren nehmen kann/wird.


Bei den folgenden Ausführungen handelt es sich um "Prognosen". Ob diese Ereignisse eintreffen ist unklar. Hierbei geht es lediglich darum die Vielfältigkeit des Bitcoin-Netzwerks aufzuzeigen.


Road to Hyperbitcoinization

Bitcoin entwächst derzeit aus den eigenen Kinderschuhen und wird seit Ende 2020 von den meisten Banken der Welt als ernstzunehmendes Anlageinstrument gewertet. Die mittelfristig prognostizierten Kurse der bekanntesten Geldhäuser reichen von +300% bis über +800%. Auffällig ist vor allem, dass die negativen Stimmen der Analysten stark abnehmen. Nur wenige Institute äußern sich durchweg negativ über den Kryptospace und verschließen sich weiterhin. Dies liegt vermutlich vor allem daran, dass den Geldhäusern - wie auch Staaten - aus strategischer Sicht gar keine andere Wahl bleibt. Kein Finanzdienstleister kann es sich erlauben den "Bitcoin-Train" zu verpassen, dieser fährt so langsam ab. Michael Saylor (CEO von Microstrategy) beschreibt die Lage sogar noch dramatischer. Er vergleicht Bitcoin mit einer Arche. Wer die Arche nicht rechtzeitig betritt wird erwischt von der "Fiat-Flut". Die Gelddruck-Orgie der Notenbanken dürfte nach der Finanz- und Euro-Krise nun mitten in einer weltweiten Pandemie sicherlich nicht weniger werden.


Aus diesem Grund beginnen PayPal, MasterCard, Visa Card und viele andere die Kryptowelt in ihre Prozesse zu integrieren. Selbst wenn Bitcoin und der gesamte Kryptomarkt scheitern sollte. Das Risiko nicht dabei zu sein kann sich keiner der etablierten Player leisten. Dies liegt vor allem an der Bandbreite der zukünftigen Möglichkeiten welche in Bitcoin als größtem Krypto-Netzwerk liegt.


Safe Haven

Der Vergleich zu Gold wird gerne von Bitcoinern als auch von Journalisten verwendet. Dies beschreibt die Wertspeicherfunktion des Coins. Natürlich ist der gesamte Kryptomarkt - auch aufgrund seiner heutigen Größe - extrem schwankungsanfällig. Doch diese hohe Volatilität gepaart mit der niedrigen Korrelation - geringe Abhängigkeit - zum Aktienmarkt, können sich Anleger zu Nutze machen. Da Bitcoin als "Number go up-Technik" gilt, können mittel- bis langfristig (deutlich) höhere Kurse erwartet werden. Trotz der hohen Schwankungen wird Bitcoin daher - so die Prognosen - in Zukunft an Wert gewinnen. Gleichzeitig kann eine kleine Beimischung in einem Portfolio die auftretenden Bären an den Aktienmärkten ausgleichen/abschwächen.


Kryptomarkt ist Dotcom 2.0

Um die Jahrtausendwende herum herrschte Goldgräberstimmung an den Börsen dieser Welt. Die New Economy-Ära brachte eine Vielzahl an heutigen Weltmarktführern hervor. Vielen damals investierten Anlegern dürfte aber vermutlich eher die "Dotcom-Blase" in Erinnerung bleiben, als die schöne neue Welt wie ein Kartenhaus zusammenfiel. Der Kryptomarkt weist viele Ähnlichkeiten hierzu auf. Bereits heute gibt es über 8.000 Kryptowährungen. Sicher werden hier auch die neuen Apple, Microsoft, Google und Co dabei sein. Die Wahrscheinlichkeit, dass sich Bitcoin hierbei zum Standard entwickelt ist extrem groß. Während ein Großteil an Kryptowährungen keinen wirklichen use-case vorweisen können, so besitzt Bitcoin als Store-of-Value (Wertspeicher) bereits eine Nutzen - welcher sich zudem bereits seit 2009 bewährt hat. Wie vor gut 20 Jahren werden auch im Kryptomarkt einzelne Kryptowährungen über die Jahre anwachsen und viele Menschen reich machen. Nicht weniger werden jedoch vermutlich in Summe Geld verlieren. Wer in Bitcoin "investiert" sollte dies nicht mit dem Hintergedanken auf schnellen Reichtum tun, sondern viel mehr die Zeit mitbringen die das Netzwerk benötigen wird um weiter anzuwachsen. Da das Bitcoin-Netzwerk heute schon deutlich über 50% des Wertes im gesamten Kryptomarkt einnimmt, ist die Wahrscheinlichkeit entsprechend hoch, dass Bitcoin einer der strahlenden Sterne am Kryptohimmel der kommenden Jahre und Jahrzehnte sein wird. Allein der Vorsprung an der Vielzahl der am Netzwerk arbeitenden Entwickler und die vorhandene Rechenpower (Mining), wird für andere Kryptowährungen nicht einzuholen sein.


Bitcoin ist Freiheit

Mit einem harten Geld (Sound Money) wird es Menschen ermöglicht Kaufkraft in die Zukunft zu transferieren. Völlig unabhängig welche Geldpolitik ein Staat oder eine Währungsunion verfolgt - es wird niemals mehr als 21 Millionen Bitcoin geben. Kein Regierung der Welt kann einem Bitcoin stehlen oder Konten einfrieren. Bitcoin ist Freiheit.

"Bitcoin ist für alle gleich und damit diskriminierungsfrei. Niemand kann aufgrund seines Geschlechts, seiner Hautfarbe, seiner Religion oder seiner politischen Gesinnung ausgeschlossen werden. Bitcoin ist Freiheit"

Egal ob Hyperinflation in Argentinien, Verfolgung der Opposition in Russland, Sanktionierung von Demonstranten in Hongkong oder Militärputsch in Myanmar - Bitcoin entmachtet den Staat. Wo zuvor mit frisch gedrucktem Geld Kriege geführt oder der Staatsapparat am Laufen gehalten wurde, mit Bitcoin haben die Regierung der Welt einen Gegenspieler welchen sie nicht ausschalten können. Je mehr Geld eine Regierung aus dem Nichts erschafft, desto mehr steigt die Nachfrage nach Bitcoin in der Bevölkerung des Landes.


Dezentralität - Internet 3.0

Die Distributed-Ledger-Technologie (Blockchain) ermöglicht unserer Gesellschaft das Internet völlig neu zu strukturieren. Heute dominieren einige mächtige Player das ursprünglich "freie" World Wide Web. Firmen sind abhängig von Werbung auf Google oder Facebook, Shop-Betreiber bezahlen hohe Abgaben an PayPal und die USA kann als Standort der Entscheider die zukünftige Ausrichtung vorgeben oder anderen Marktteilnehmer sanktionieren (z.B. Handelsstreit mit China - Google Play Store bei Huawei-Geräten).


Wir stehen am Beginn eines neuen Zeitalters. Nach der bloßen "Lesefunktion" im Netz (1.0), folgte das neue Internet und brachte uns Interaktivität und soziale Netzwerke (2.0). Die Zukunft heißt jedoch Dezentralität. Mit einem dezentralen System werden online Dienste effizienter. Der Registrierungsprozess einer Webdomain wie www.sound-money.de wäre beispielsweise problemlos mittels eines Smart Contracts möglich. Die Liste der Möglichkeiten für dApps (dezentrale Apps) ist lang und reicht von einfachen Datenbanken über Wettanbieter bis hin zu DeFi (dezentrale Finanzen). Auch ganze Social-Media Plattformen können auf der Blockchain gebaut werden. Dies hätte zur Folge, dass keine Regierung oder Unternehmen Inhalte zensieren kann - mit allen Vor- und Nachteilen. Zugleich könnten Benutzer Geld erhalten - aus den Werbeeinnahmen der Plattform - für das Kreieren von gutem Content. Dies lässt sich neben sozialen Netzwerken auch auf die Bereiche Journalismus oder Musik übertragen. Schon heute leisten einige Podcast-Hosts Pionierarbeit und lassen sich über das Lightning-Netzwerk für jede gehörte Minute in Bitcoin bezahlen.


DeFi - die Zukunft der Finanzwelt

Finanzgeschäfte ohne Banken sind heute schon möglich. Hierbei werden meist Finanzdienstleister wie FinTecs oder Zahlungsauslösedienste wie PayPal oder Klarna genutzt. Doch egal ob Bank oder "Near-Bank" in jedem Fall bleibt ein "Third-Party-Risk". Dieses Risiko einer dritten Partei lässt sich mithilfe der dezentralen Finanzen gänzlich ausschließen. Bei DeFi kann der User einer Wallet nicht nur Gelder Peer-to-Peer - also von Person-zu-Person ohne Mittelsmann - versenden, sondern kann auch Geld anlegen, Kredite aufnehmen und vieles mehr. Bereits heute können über dezentrale Exchanges Kryptowährungen "auf der Blockchain" getauscht werden ohne Mittelsmann. Egal ob Bitcoin, Ethereum, Binance Chain, Cardano oder Polkadot - die Blockchain/das Ökosystem mag sich ändern, doch DeFi wird bleiben. Detailliertere Informationen zu Defi findet du hier.


Allgemein kann die gesamte Wirtschaft und auch die einzelnen Individuen von der neu gewonnenen Transparenz profitieren. Egal ob Verfolgung der Lieferkette oder digitale Patientenakte - Danke der Blockchain haben die Menschen die Chance künftig wieder alleine über die Nutzung und Weitergabe ihrer persönlichen Daten zu entscheiden. Zu den zahlreichen im Bitcoin-Netzwerk vorhandenen Open-Source-Entwicklern gesellen sich mittlerweile auch etablierte Größen der heutigen Welt. Anfang 2021 verkündete Microsoft den Bau eines Systems für digitalen Identitäten. Hierzu nutzt der Softwareriese keine eigene Datenbank sondern das Bitcoin-Netzwerk. Nur über Bitcoin kann ein sicheres und unzensierbares System geschaffen werden.


So schön die möglichen Anwendungsfelder der Zukunft auch klingen mögen, noch immer befindet sich Bitcoin am Anfang seiner Reise. Doch Bitcoiner sehen den "Orange Coin" auch als Hoffnung für eine gerechter Welt und nutzen daher bei möglichst allen Problem die Denkweise: "Bitcoin fixes this".

 

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