Sorgt Bitcoin für eine Revolution im Energiesektor?

Hier die passende (inhaltlich identische) Podcast-Folge zum Artikel:

In diesem Blog-Beitrag geht es um die Zukunft des Energiesektors und darüber welchen Einfluss Bitcoin auf die Zukunft des Energiesektors haben könnte. Natürlich geht es auch hier auch um Bitcoin-Mining, aber auch um das größere Bild, also Energie im Allgemeinen.

Das für viele Bitcoiner mittlerweile leidige Thema des hohen Energieverbrauchs durch Bitcoin-Mining soll in diesem Artikel kein wirkliches Thema sein. Warum Bitcoin diese Energie benötigt und es keine Alternative gibt, habe ich bereits im https://ghgprotocol.org/Podcast gemeinsam mit ronin besprochen - Podcast-Folge “Kampf der Konsensmechanismen”. Auch ob die Kritik überhaupt gerechtfertigt ist habe ich bereits hier behandelt - Podcast-Folge "Bitcoin Kritik Energieverbrauch"


Es gibt eine aktuelle Studie des Frankfurt School Blockchain Centers in Zusammenarbeit mit Intas.tech. In dieser Studie geht es darum wie die CO2-Emissionen weltweit mithilfe von Bitcoin reduziert werden könnte. Die Studie skizziert ein zweigleisiges und flexibles Kohlenstoff Kompensationsmodell welche im Einklang mit den Scope-3-Emissionen für Investoren, Kryptobörsen oder Depotbanken ist.


Falls du dich mit dem Energiemarkt nicht auskennst, so gings mir vor kurzem auch. Mittlerweile habe ich mich etwas eingelesen und kann sagen, dass das Thema extrem spannend aber auch deutlich komplexer ist als von mir zunächst angenommen.

Daher klären wir zunächst was denn die Scope-3 Emissionen sind die in der Studie Erwähnung finden. Die Treibgasemissionen von Unternehmen werden meist vom internationalen Berechnungstool, dem Greenhouse Gas-Protocol in drei Kategorien eingeteilt. Scope 1 deckt die Bereiche des direkten Kraftstoffverbrauchs ab, also zum Beispiel die Emission bei Fahrzeugen. Die indirekten Emissionen z.B. durch gekauften Strom, Wärme oder für Kühlung deckt Scope 2 ab. Scope 3 - welche für die Studie relevant sind - umfasst alle indirekten Emissionen die bei Unternehmen innerhalb der Wertschöpfungskette entstehen. Also Geschäftsreisen, das tägliche Pendeln von Mitarbeitern, den Transport von Waren, Investitionen, die Abfallentsorgung aber natürlich auch den Kauf von Waren und Dienstleistungen.


Die erwähnte Studie verfolgt den Ansatz, dass die durch das Bitcoin-Netzwerk verursachten CO2-Emissionen ausgeglichen werden können.


Die Kernpunkte der Studie möchte ich euch gerne Auflisten:

  • Zum Ersten natürlich der Stromverbrauch im Bitcoin-Netzwerk: Die verbrauchte Strom im Untersuchungszeitraum muss zunächst neutral betrachtet werden. Entscheidend ist welche Art der Energiegewinnung verwendet wurde- Nur dadurch lässt sich ei CO2-Fußabdruck berechnen.

  • Das Ergebnis der Studie besagt, dass der Energiehunger von Bitcoin gerade einmal zu einem CO2-Fußabdruck von 0,08% des weltweiten CO2 Fußabdruckes ausmacht


Wenn du jetzt direkt denkst: “Aber Bitcoin verbraucht doch so viel Energie wie Norwegen, Österreich oder welches Land auch immer”. Ja das mag in der Theorie im ersten Moment passen. Aber bereits erwähnt: Strom ist nicht gleich Strom. Entscheidend ist wo der Strom her kommt und auch wo er verbraucht wird.

Bitcoin-Miner sind standort-unabhängig und müssen bzw. werden eher selten in stark besiedelten Gebieten stehen, da hier der Strom viel zu teuer wäre (aufgrund der hohen "Konkurrenz") - aber hierzu gleich noch mehr.


Was den CO2-Fußabdruck angeht sind die meisten Nationen auf der Welt nur ein Tropfen auf dem heißen Stein. Wenn man den CO2-Fußabdruck prozentual auf die Welt sieht, ist China für über 25% der CO2-Ausstöße verantwortlich, die USA für fast weitere 15%. Danach kommt Indien mit etwa 7%.


Natürlich machen China und Indien auch einen großen Teil der Weltbevölkerung aus, aber ob Deutschland mal 1% mehr oder weniger CO2-Ausstoß als im Vorjahr hat, spielt am Ende keine wirkliche Rolle, wenn andere Nationen nichts ändern. Aber natürlich sollte jeder sein Bestes tun und auch wir unseren Teil dazu beitragen.


Die Studie hat zudem auch errechnet was es kosten würde den CO2-Fußabdruck einer einzelne Bitcoin-Transaktion auszugleichen. Ich verschone dich hier mit den Einzelheiten. Am Ende kostet es aber stolze 102 Dollar eine Durchschnittstransaktion auszugleichen. Aber - wie im Podcast schon häufiger betont - dieser Vergleich ist völliger Schwachsinn. Wir sprechen hier von einer Zahlung auf dem main layer von Bitcoin, also auf der ersten Ebene. Wenn ich dir einige Sats via Lightning-Netzwerk sende - also auf der zweiten Ebene von Bitcoin -, dann erfährt dies kein Außenstehender. Heißt eine Berechnung “gesamter Energiehunger des Netzwerks im Verhältnis zu der Anzahl an Transaktionen” ist kompletter Bullshit, weil niemand weiß wie viele Bitcoin-Transaktionen es gibt. Lightning macht diese Metrik komplett kaputt. Solltest du dich nicht mit Lightning auskennen, empfehle ich dir die den Podcast-Dreiteiler hierzu bzw. diesen Blog-Beitrag.


Laut Daten des Bitcoin Mining Councils rund um Michael Saylor greifen Bitcoin-Miner auf 56% erneuerbare Energie zurück. Deutschland als führende Industrienation kommt auf 48%. Allerdings muss man natürlich auch hier bedenken von wem diese Zahlen stammen, daher dürfte die Wahrheit zumindest aktuell doch einige Prozentpunkte niedriger liegen. Aber ein Trend hin zu erneuerbaren Energien ist klar zu erkennen. Durch das Verbot von Bitcoin-Mining in China in 2021, verlor das Netzwerk praktisch über Nacht knapp 40% der Hashrate. Also zwei Fünftel der gesamten Mining Power waren plötzlich offline. Die Miner packten ihre Hardware ein und verschifften diese containerweise. Nur wenige Monate später haben wir den alten Höchststand der Mining Power wieder übertroffen. Dies lässt darauf schließen, dass die Miner ihre Zelte andernorts wieder aufgeschlagen haben. Als Profiteure gelten Kasachstan, eventuell El Salvador und auch der US-Bundesstaat Texas welcher eine sehr freundliche Rechtssprechung vorzuweisen hat.


Im Nachhinein ist es bewundernswert wie locker Bitcoin dieses Thema weggesteckt hat. Bye bye China-FUD.


Um zu verstehen wie Miner denken und agieren, muss einem bewusst sein welches Interesse Miner verfolgen. Man könnte jetzt um den heißen Brei reden und sagen sie wollen das Bitcoin-Netzwerk sicherer machen, aber ganz ehrlich - es geht um Geld. Miner wollen Geld verdienen, egal ob sie diese in Euro, US-Dollar oder Bitcoin verdienen wollen, das ist der einzige Antrieb. Sobald eine Miningfarm unprofitabel ist, weil die Hardware veraltet oder der Strom zu teuer ist, wird man diese abstellen, da der Betreiber ansonsten draufzahlen wird.


Interessant ist vor allem das Thema der Energiepreise. Minen in Deutschland ist in der Regel absoluter Schwachsinn, bei unseren Strompreise rechnet sich Mining schlichtweg nicht. Der günstigste Strom stammt aus erneuerbaren Energien, das ist Fakt. Du denkst jetzt vielleicht "völliger Bullshit", mein regionaler Stromanbieter verlangt mehr für nachhaltigen Strom. Ja das mag sein, du lebst aber auch in der Stadt oder zumindest in einem Dorf.


Miner sind komplett Ortsunabhängig. Sie können in der Stadt minen, auf dem Land oder im Urwald. Es gibt gewisse Präferenzen z.B. sollte es nicht zu warm sein, da man die Hardware sonst extrem kühlen muss. Aber prinzipiell kann man überall minen. Und genau das macht es so spannend. Ein Energieversorger kann an einen Staudamm an welchem Wasserkraft erzeugt wird, an einen Windpark oder an eine Photovoltaikanlage Miner anschließen. Windenergie ist oftmals nicht geeignet weil der Wind auch mal weniger bläst und die Mining-Hardware in dieser Zeit keinen Cash-Flow generiert. Das gleiche gilt für Sonnenenergie, in der Nacht stehen die Miner dann leider still, wenn über den Tag keine ausreichende Energie gespeichert werden kann. Daher ist z.B. Wasserkraft optimal, das Wasser fließt bekanntlich Tag und Nacht und in nahezu unerschöpflichen Mengen.


Ich kann also direkt am Staudamm minen. Ein Beispiel hierfür ist ein Staudamm im Südamerikanischen Paraguay. Allein diese einzige Anlage produziert nahezu so viel Energie wie das gesamte Bitcoin-Netzwerk benötigt.


Als nächstes Argument werfen Krit