Bitcoin als gesetzliches Zahlungsmittel

Neben dem US-Dollar wird Bitcoin künftig in El Salvador das Zweite gesetzliche Zahlungsmittel. Welche Auswirkungen hat dies auf Bitcoin und die Welt?


Bei der Bitcoin-Konferenz 2021 in Miami hat Jack Mallers (CEO von Strike) in einer emotionalen Rede verkündet, dass El Salvador als erster Staat weltweit Bitcoin als gesetzliches Zahlungsmittel einführen wird. Mit den Tränen kämpfend berichtete Mallers von seiner Zeit in El Salvador und dem Kontakt mit Präsident Nayib Bukele. Gemeinsam - Bukele via Video-Botschaft - gaben sie bekannt, was kurz darauf weltweit für Schlagzeilen sorgte.


Bereits am 09.06.2021 verabschiedete das Parlament - in welchem Bukele eine Mehrheit besitzt - das Gesetz durch welches Bitcoin zum gesetzlichen Zahlungsmittel in El Salvador wird. Enthalten ist sogar, dass die Regierung die Bürgerinnen und Bürger des Landes bei Bedarf Händler für die Akzeptanz von Bitcoin unterstützen wird. Denn fortan müssen alle Händler Bitcoin als Zahlungsmittel akzeptieren - hierfür gibt es eine 90-tägige Übergangsfrist damit die Händler technische Hürden nehmen können. Hierbei gilt es zu beachten, dass die Umsetzung auch beispielsweise für US-Firmen mit Filialen in El Salvador gibt. Somit müssen auch Starbucks, Burger King, Mc Donald's, Wendys sowie Walmart in ihren vor Ort Filialen Bitcoins akzeptieren. Sobald das System einmal implementiert ist, könnten die US-Firmen den Mehrwert von Bitcoin ebenfalls spüren. Anstatt 1-3% Gebühren für eine Kreditkartenzahlung - die vermutlich am häufigsten verwendete Zahlungsmethode in den USA - zu berappen, könnten die Händler die Bitcoin-Akzeptanz auch auf die USA oder andere Länder ausweiten. Die Annahme von Bitcoins via Lightning-Netzwerk ist gebührenfrei. Aus monetärer Sicht ist die Akzeptanz von Bitcoins im Vergleich zu Kartenzahlungen (oder auch bei Online-Shops im Vergleich zu PayPal) deutlich günstiger.


Hier die Videobotschaft des Präsidenten, welche auf der Bitcoin-Konferenz in Miami beim Auftritt von Jack Mallers gezeigt wurde.


Der Hintergrund

Über zwei Millionen Salvadorianer leben in den USA. In El Salvador selbst beträgt das pro Kopf Bruttoinlandsprodukt (nach Kaufkraftparität) etwa 9.150 US-Dollar. Aus diesem Grund senden viele in den USA lebende Salvadorianer regelmäßig Geld an ihre Familien in der Heimat. Und genau hier beginnt das Problem. Weltweit besitzen über 1,7 Milliarden Menschen keinen Zugang vom Finanzsystem, denn sie besitzen kein Bankkonto. Über 70% der in El Salvador lebenden Menschen besitzen ebenfalls kein Bankkonto. Aus diesem Grund nutzen die in den USA lebenden Salvadorianer Überweisungsdienste. In den USA wird Geld Bar eingezahlt und der Zahlungsdienstleister zahlt das Geld in einer Filiale am Zielort (in Bar) aus. Für diesen (aktuell praktisch alternativlosen) Geldtransfer lassen sich die Dienstleister fürstlich entlohnen. Eine kurzes Rechenbeispiel:


Ein in den USA lebender Salvadorianer sendet einmal im Monat Geld an die Familie. Für den Betrag von 100 US-Dollar bezahlt er 20 US-Dollar Gebühren (teilweise sind die Gebühren noch deutlich teurer). Somit erhält die Familie in El Salvador im Jahr 240 US-Dollar weniger als ursprünglich in den USA transferiert wurden. In "Kaufkraft" gesprochen entsprechen die Gebühren über 30% eines durchschnittlichen Monatsgehaltes.


Bitcoin und Strike

Viele der Menschen in El Salvador besitzen kein Bankkonto, jedoch gibt es in den meisten Familien ein oder mehrere Smartphones. Anstatt die Bitcoins klassisch über die Bitcoin-Blockchain zu versenden (Transaktionsgebühren variieren stark und können ebenfalls verhältnismäßig teuer sein) wird Strike in El Salvador gelauncht. Die Firma von Jack Mallers ist bereits seit längerer Zeit vor Ort aktiv und schult die Einheimischen. Gleichzeitig soll ein neues Headquater eingerichtet werden. Die App Strike nutzt für das Transferieren von Bitcoin das Lightning-Netzwerk (Second-Layer-Technologie). Über dieses können Bitcoins in Sekundenbruchteilen und nahezu kostenfrei (Transaktionskosten unter 0,01 US-Dollar) durchgeführt werden. Entsprechend erhalten die Menschen in El Salvador die Gutschrift sofort und ohne Abzüge durch zwischengeschaltete Dienstleister.


Durch die Einführung von Bitcoin als gesetzliches Zahlungsmittel ermöglicht Präsident Bukele zudem, dass die erhaltenen Bitcoins auch im ganzen Land für entsprechende Anschaffungen eingesetzt werden können.


Nur der Anfang

Innerhalb weniger Tage, nach der Bekanntgabe Mallers, meldeten sich mehrere Politiker weiterer lateinamerikanischer Länder zu Wort. In den darauffolgenden Tagen gaben Parlamentarier aus Paraguay, Panama, Brasilien und Argentinien bekannt, dass auch in ihren Ländern ähnliche Vorhaben geplant sind. Ob, wann und in welcher Form diese umgesetzt werden ist im Vergleich zu El Salvador vermutlich noch fraglich. Doch der "Stein" kommt in Rollen und vor allem weitere "unbanked" Staaten - Nationen mit vielen Menschen ohne Zugang zum Finanzsystem - könnten mit ähnlichen Ankündigungen nachziehen. Staaten ohne eigene Währung - welche z.B. auf den US-Dollar als Landeswährung zurückgreifen - fällt dieser Schritt leichter als anderen. In Europa ist ein solcher Schritt zudem aktuell nicht denkbar. Zum Einen ist der Bedarf sicherlich viel geringer und zum Anderen verbietet ein EU-Gesetz die Einführung eines eigenen/weiteren gesetzlichen Zahlungsmittels.


Nach Privatinvestoren und ersten Firmen scheint die "Fomo" bereits die ersten Staaten erfasst zu haben. Der Bitcoin-Kurs reagierte nicht auf die Ankündigungen. Daher ist auch eine kurzfristige Reaktion unwahrscheinlich. Der für Bitcoiner entscheidende langfriste Ausblick ist aber in den letzten Tagen noch deutlich rosiger geworden.

 

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